BUNKER - IN HANNOVER

Bereits einige Monate vor Kriegsbeginn im Februar 1939 hatte es in Hannover erste Überlegungen gegeben, einen "luftschutzsicheren Raum" anzulegen. Im Frühjahr 1939 hatte der damalige Polizeipräsident von Hannover, Waldemar Geyer, der Stadtverwaltung vorgeschlagen, unter einer Grünflache zwischen dem Kröpcke und Aegientorplatz, nahe des Opernhauses einen Bunker zu errichten. In Friedenszeiten sollte dieser "Bunker" als Fahrzeugunterstand ("Fahrzeughalle") und im Kriegsfalle bis zu 500 Zivilisten als "Schutzbunker" dienen. Der Stadtbaurat Profressor Elkart wies darauf hin, das zahlreiche Bäume aus der Stadtbegrünung bei einem derartigen Vorhaben entfernt werden müssten, und somit sprach sich auch der damalige Oberbürgermeister Haltenhoff gegen den Bau des Bunkers aus. Daraufhin wurde dieses Vorhaben fallen gelassen. [vgl. "Bunker-Welten", über Hannover, S. 92] [1] [2]

Nach Kriegsbeginn wurden in Hannover in zahlreichen öffentlichen Gebäuden Luftschutzkeller und Gewölbe eingerichtet, die auch die Zivilbevölkerung mitbenutzen durfte. So wurde z.B. in der Schule in der Hohestraße in Linden ein Luftschutzkeller errichtet und im Neuen Rathaus von Hannover, wurde der Fahrradkeller umgebaut. Außerdem wurden in vielen privaten Wohnhäusern Keller zum Luftschutzkeller umfunktioniert. In der Regel wurden dieser Keller dazu - aus heutiger Sicht - notdürftig mit Holzlatten und -stämmen zusätzlich abgestützt. Bombensicher waren diese "Konstruktionen" nicht, wie mir meine Mutter schilderte. "Zwar hielt der Keller nach einem Volltreffer auf das damalige Wohnhaus der Eltern noch eine Weile stand, obwohl dieser einen Riss in der Decke hatte, brach dann aber trotzdem nach einigen Tagen unter der Last der Trümmer zusammen."

ENTSTEHUNG DER LUFTSCHUTZBUNKER IM RAUM HANNOVER

Wann genau mit dem Bau der ersten grösseren Luftschutzbunker in Hannover begonnen wurde, ist mir bisher nicht exakt bekannt. Zu den ersten Bunkern zählte u.a. der Tiefbunker am Klagesmarkt, Baubeginn etwa im Herbst 1939. Nach meinen bisherigen Informationen wurde dann etwa zwei Monate nach dem "Sofortprogramm" von Hitler in Hannover verstärkt mit dem Bau von Bunkern begonnen. Fest steht nur, das 64 zivile Luftschutzbunker geplant waren, wovon 58 (!) bis zum Ende des Krieges fertiggestellt waren. Laut dem Buch "Bunkerwelten" von Michael Foedrowitz wurde der letzte Bunker am 14.02.1945 der Stadt übergeben [vgl. "Bunker-Welten", S.94]. Laut einer Statistik in der gleichen Quelle gab es bereits etwa Mitte 1944 insgesamt 79 bombensichere Luftschutzbunker, wobei es sich bei 53 davon um fertiggestellte zivile Luftschutzbunker handelte. [vgl. "Bunker-Welten", S. 76] In dieser Gesamtstatistik dürften somit Bunker der Deutschen Reichsbahn (DR), des Werkluftschutzes, sowie des Militärs mit enthalten sein. [vgl. "Bunker-Welten", 1]

Mehr zu den einzelnen Bunkern in Hannover erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

SICHERHEIT VON LUFTSCHUTZBUNKERN

Was die Sicherheit der zivilen Luftschutzbunker betrifft, so ist mir bisher kein Fall bekannt, wo es durch einen direkten Nah- oder Volltreffer eines Bunkers im Raum Hannover zu Todesfällen gekommen ist. Ganz anders sieht es hier z.B. bei Bunkern im Bereich des Werkschutzes aus. Hier kam es wiederholt zu Todesfällen.

Ein paar Beispiele:

  • 26.07.1943 Der Tiefbunker auf dem "Conti"-Gelände in Hannover-Vahrenwald erhält einen Volltreffer; es sterben ca. 110 Menschen; [vgl. Quelle [5], S.62f. und [6]]
  • 20.06.1944 Der Luftschutzstollen "Stollenbunker" auf dem Gelände der Norddeuschen Portland-Cementfabrik (NPC) erhält einen Volltreffer; es sterben 21 Menschen; [vgl. [3], S. 72]
  • 26.11.1944 Im Bunker des Cementwerks "Teutonia" sterben 45 Menschen durch einen Volltreffer. [[3], S. 84]

SCHÄDEN AN LUFTSCHUTZBUNKERN

Bei diversen Luftangriffen durch die Alliierten entstanden Schäden an zahlreichen Bunkern, ohne das dabei (soweit mir bisher bekannt) Menschen zu Schaden gekommen sind. An einzelnen Beispielen möchte ich versuchen zu dokumentieren, was für gewaltige Kräfte auf den Stahlbeton gewirkt haben.

[- 1 -]
Schäden am Luftschutz-Bunker: Hannoversche Straße
[- 2 -]
Schäden am Luftschutz-Bunker, Bild #1: Rupstein Straße
[- 3 -]
Schäden am Luftschutz-Bunker, Bild #2: Rupstein Straße
[- 4 -]
Schäden am Luftschutz-Bunker: Karlstrasse
[- 5 -]
Schäden am Luftschutz-Bunker: Leinaustrasse
[- 6 -]
Schäden am Luftschutz-Bunker: Sandstrasse

Anmerkungen

1.) zu Bild Nr.1: Die Schäden am Bunker sind bei dem schweren Angriff der Alliierten am 24.08.1944 durch einen Nahtreffer entstanden, bei dem auch die Zerschellerplatte.zerstört wurde.

2.) zu Bild Nr.6: In diesem Fall sind die Schäden wahrscheinlich bei dem schweren Angriff der Alliierten am 05.03.1944 (Ziel war die "Conti") entstanden.


ENTFESTIGUNG UND ENTMILITARISIERUNG VON LUFTSCHUTZBUNKERN

Unmittelbar nach Kriegsende sollten auf Grund der Kontrollratsdirektive Nr. 23 datiert auf den 10. April 1946 "Verbot militärischer Bauten in Deutschland - nach Artikel II alle militärisch genutzten Einrichtungen, sowie Bauten unbrauchbar gemacht werden. Unter "Militärische Einrichtungen" im Sinne der Kontrallratsdirektive Nr. 23 fallen alle Bauten, welche den Zweck des Land-, See- oder Luftkrieges oder dem Unterhalt von bewaffneten Streitkräften dienen sollten, wie z.B. militärsche und zivile Bunker und Luftschutzräume, Befehlsstände, Munitionskammern und andere Befestigungswerke, Kriegshäfen, Arsenale, Lagerplätze und Anlagen für Kriegsmaterial, usw. (!).

Später wurden dann auch Ausnahmen zugelassen, wenn die zuständigen Betriebe/Stadtverwaltungen einen Nutzen für die entsprechenden Bauwerke nachweisen konnten.

In Hannover wurden laut einer Karte aus den 1950er Jahren folgende Bunker entfestigt:

  • Bunker Am Stöckener Bach
  • Bunker Hannoversche Straße
  • Bunker Haltenhoffstraße
  • Bunker Verdener Platz
  • Bunker Schmiedestraße (Stadt Langenhagen)

Darüber hinaus zeigen folgende Bunker Stellen, die auf Entmilitarisierungsmaßnahmen hindeuten:

  • Bunker Am Listholze
  • Bunker Leinaustraße

Gesprengt, wurden: (bisher bekannt)

  • Bunker: Gaubefehlsstand Hannover
  • Bunker: Flakbefehlsstand der Luftwaffe
  • Bunker Hackethalstraße
Beteiligt an den Entmilitarisierungsmaßnahmen, waren:
  • Disarment Branch Headquarter Land Niedersachsen
  • Disarment Branch, 302 H.Q.C.C.G.
  • Nr. 1 Demolition Team
  • u.e.a.m.
Quelle: National Archiv London, Bestand DB Land Niedersachsen

HEUTIGE NUTZUNG DER LUFTSCHUTZBUNKERN

Von den 58 zivilen Luftschutzbunkern werden 35 noch durch den Zivil- und Katastrophenschutz verwaltet; darunter die Großbauten, die inzwischen auf den aktuellen Stand gebracht worden sind. Etwa fünf ehemalige "Bunker" dienen inzwischen als Wohnhäuser, zwei bzw. drei als Lager und vier oder fünf ehemalige "Bunker" wurden gesprengt oder abgerissen. [4]

Noch insgesamt 40 Bunker befinden sich im Besitz oder in Verwaltung des Bundes. [7]


QUELLENANGABE(N)

[1] [BUCH] "Bunker-Welten", Autor Michael Foedrowitz
[2] [ONLINE] Geschichte der Polizeidirektion Hannover
[3] [BUCH] "Bomben auf Hannover", Autor Edith Reinecke
[4] [INFO] vom Beauftragten für den "Zivil- und Katastrophenschutz" bei der Stadt Hannover (Feuerwehr).
[5] [BUCH] "Unter der Wolke des Todes leben", Autor Thomas Grabe u.a.
[6] [BUCH] HAZ-BUCH: "Sommer 1943- Bomben auf Hannover", Autor Thorsten Fuchs u.a.
[7] Offizielle Antwort der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) vom 13. April 2005.

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